Wie der Taschentuchbaum nach Europa kam


Gestatten, Ernest Wilson, Pflanzenjäger!

Kaum zu glauben: Für manche unserer Lieblingspflanzen haben vor über einhundert Jahren Europäer ihr Leben riskiert. Ernest Wilson (1876-1930) war einer von ihnen. Er brachte uns den Taschentuchbaum und andere Kostbarkeiten.

Wilson war ein Gärtner und Botaniker mit Leib und Seele. Von klein auf beschäftigte er sich mit Pflanzen, deren Vermehrung und Systematik. In der berühmte Baumschule von John Veitch lernte er, wie man Pflanzen und Samen verpackt, damit sie monatelange Reisen überstehen. Denn Veitch hatte das Talent und die Tatkraft von Wilson erkannt und reihte in unter das Dutzend von Pflanzenjägern ein, die die Baumschule rund um den Globus auf die Jagd nach botanischen Kostbarkeiten schickte.

Wilson war 23 Jahre alt, als er zu seiner ersten Expedition nach Asien aufbrach. Er sollte den sagenhaften Taschentuchbaum (Davidia involucrata) finden, der einige Jahre zuvor beschrieben wurde. Als er die damalige Fundstelle besuchte, musste er feststellen, dass der spektakuläre Baum gefällt worden war. Nach weiteren 600 Kilometern beschwerlicher Reise mit Maultieren und Trägern wurde Wilson fündig.

Folgejahre
Bis 1902 sammelte er Hunderte von Pflanzen, Zwiebeln und Samen und kehrte mit reicher Beute nach England zurück. Besonders schwierig war es, die Pflanzen bei der langen Seereise vor der salzigen Luft und Spritzwasser zu schützen. Dank einer besonderen Erfindung, dem Wardschen Kasten, gelang dies aber.

Es dauerte nicht lange, da musste Wilson wieder aufbrechen. In den folgenden Jahren besuchte er neben China auch Japan und Korea. Zu den berühmtesten Funden zählen der Zimt-Ahorn (Acer griseum) mit seiner schönen Rinde, die herrliche Königs-Lilie (Lilium regale) und die im Frühling blühende Clematis montana var. rubens. Unsere Gärten wären ohne Wilsons Anstrengungen viel ärmer!

Eine kurze Sortenbeschreibung finden Sie HIER