Ich hasse Kirschlorbeer und doch liebe ich Kirschlorbeer

 

Geht das überhaupt?

Bei kaum einer anderen Gartenpflanze kennen die meisten Gartenliebhaber nur schwarz oder weiß. Warum ist das so?
Dabei gehört der Kirschlorbeer zu den Gewinnerpflanzen des Klimawandels. Kaum eine andere winterharte Pflanze wächst auch bei Hitze und Trockenheit so gut. Sie gedeiht an sehr heißen Standorten und wächst sogar unter großen Bäumen an sehr schattigen Standorten.

Weiterhin besitzt der Kirschlorbeer wunderschöne Blüten, die sogar von diversen Insekten besucht werden. Wie fast alle Gewächse der Pflanzenfamilie Rosaceae bietet auch Kirschlorbeer Pollen und Nektar. Neuste Untersuchungen zeigen sogar, dass die Blattunterseite vom Kirschlorbeer von diversen Insekten angestochen werden, um dort Nahrung aufzunehmen.
Die schwarzen Früchte werden zudem von zahlreichen Vogelarten gefressen.

 

Und doch gehört der Kirschlorbeer zu den meistgehassten Gartenpflanzen

Auch das hat seinen guten Grund: denn wir Gartenbesitzer haben es mal wieder übertrieben und mit Kirschlorbeer ganze Gärten zugepflastert! Biodiversität: Fehlanzeige!
Hauptgrund ist die Bequemlichkeit vieler Gartenbesitzer, denn Kirschlorbeer wächst einfach überall. Ferner wurden vielfach „falsche“ Sorten gepflanzt wie z.B. 'Rotundifolia' oder 'Caucasica'. Diese Sorten sind wahre Wucherer mit einem Jahreszuwachs von bis zu 200 cm! Die Frage bleibt, warum kauft der Kunde solche Pflanzen? Hier ist dieser leider häufig auf die preiswerten Angebotspflanzen hereingefallen. 100 cm hohe Pflanzen für 3€ waren und sind einfach zu verlockend. Hinzu kommt häufig eine falsche oder fehlende Beratung seitens der Supermärkte, Baumärkte, oder Baumarktgartencentern. Der günstige Preis hat den Menschenverstand ausgeblendet, der von sich aus erklärt hätte, dass eine 100 cm große Pflanze für 3€ nur sehr jung und somit sehr starkwüchsig sein muss.
Und das merkt der Gartenbesitzer bereits nach wenigen Jahren. Mancher kapituliert oder schneidet bis zu 3x im Jahr seine Hecke.
Die Folge: Andere Gartenpflanzen werden innerhalb kürzester Zeit unterdrückt! Ein weiteres Problem ist die invasive Ausbreitung. Die schwarzen Früchte sind bei unserer Vogelwelt sehr beliebt und so wandert das Saatgut auch in unsere Wälder, wo sie sich ebenfalls ungehindert ausbreiten können.

 

Also doch Fingerweg vom Kirschlorbeer?

Jein! Es kommt auf die richtigen Sorten an. Heutzutage gibt es eine so großartige Vielfalt an kompakten, schlankwüchsigen, bodendeckenden und nicht wuchernden Sorten, die es verdienen mehr Beachtung zu finden.

Vor allem an schwierigen Standorten wie z.B. unter großen Bäumen oder an heißen trockenen Sonnenstandorten kommen wir am Kirschlorbeer kaum vorbei.

 

Unsere TOP Sortenempfehlungen sind:

'Diana' – eine kompakte Sorte mit kleinen dunkelgrünen Blättern und bronzefarbenen Austrieb. Ca. 2 m hoch werdend, wenig blühend
'Etna' ('Anbri') – der bronzefarbene Austrieb gab dieser Sorte ihren Namen. Sehr robust und nur ca. 200 cm hoch werdend, wenig blühend.
'Genolia' – eine echte Säule, die kaum breiter als 100 cm wird. Sie ist allerdings starkwüchsig und kann 350 cm und mehr erreichen. Sie lässt sich gut schneiden und ist wenig blühend.
'Herbergii' – eine alte und beliebte Sorte mit schönem aufrechtem Wuchs. Ca. 200 cm hoch und auch breit werdend, üppig blühend.
'Mount Vernon' – eine ganz kompakte bodenbedeckende Sorte, die kaum höher als 35 cm wird. Mit einer Breite von 100 cm ist auch dieses Wachstum übersichtlich, wenig blühend.
'Otto Luyken' – eine historische Sorte der Baumschule Hesse. Auch heute noch gehört diese kompakte 150 cm hohe und breite Sorte in unseren Augen zu den besten Kirschlorbeersorten, intensiv blühend.

Einziges Problem bleiben die Früchte, die zwar unsere Vogelwelt begeistert, sich dadurch aber auch verstärkt ausbreiten können. Leider kommen auch wenig blühende Sorten vermehrt in Blüte, durch die immer wärmeren Sommer, bekommen auch diese Blühreize.

Fazit: Kirschlorbeer sind besser als ihr Ruf. Monokultur im Garten sollte (und muss) unbedingt vermieden werden. Achten Sie auf die richtigen Sorten. Und lassen Sie sich bitte im Fachhandel vernünftig beraten!


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